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politik.ead.de
 
 
Newsletter des Politikbeauftragten
 
14. Oktober 2026
 
 
 
 
Dankbar: Zusammen „Botschafter an Christi statt“ (2 Kor 5,20)
 

Im Juni 205 wurde ich als Politischer Beauftragter der Evangelischen Allianz in Deutschland berufen. Drei Monate später habe ich meine Arbeit hauptamtlich aufgenommen und unser Büro in Berlin bezogen. Gleich hinter der amerikanischen Botschaft, nur wenige Schritte vom Regierungsviertel entfernt und näher dran als die Botschaften aller anderen Länder. Augenzwinkernd sage ich deshalb manchmal: Wir sind die zweitnächste Botschaft am Sitz der Bundesregierung.

Nach einem Jahr sage ich das mit noch mehr Überzeugung. Denn Botschafter sprechen nicht nur für sich selbst. Sie vertreten jemanden, der sie gesandt hat, und stehen für ein Anliegen, das größer ist als sie selbst. Genau darin sehe ich meinen Auftrag: als „Botschafter an Christi statt“ (2 Kor 5,20) mitten im politischen Berlin präsent zu sein. Nicht um christliche Interessen durchzusetzen, sondern um Christus zu bezeugen, Beziehungen zu bauen, Orientierung anzubieten und dort Verantwortung wahrzunehmen, wo über unser Zusammenleben entschieden wird.

Wenn ich auf dieses erste Jahr zurückblicke, überwiegt die Dankbarkeit. Ich denke an Gespräche mit Abgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg, die oft offener und persönlicher waren, als ich erwartet hatte. Unser Büro ist zu einem Ort der Begegnung geworden. Und ich denke an die vielen Weggefährten in unserem Netzwerk, in unseren  Arbeitskreisen, Werken und Gemeinden, die diesen Dienst mitdenken, mitgestalten und ermöglichen und uns im Gebet begleiten – herzlichen Dank!

Es grüßt Sie herzlich

Dr. Johann Matthies
Politischer Beauftragter am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung
 
 
Ein malerischer Sonnenuntergang über einem Fluss in einer Stadt. Die Wolken sind in warmen Farben gefärbt, während die Wasseroberfläche das Licht reflektiert. Am Ufer stehen Bäume und ein Geländer, und im Hintergrund sind Gebäude sichtbar. (Text KI generiert)
 
 
 
 
 
 
„In Verantwortung vor Gott und den Menschen“
Konvent verabschiedet Positionspapier
 
Mit den Worten „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ beginnt die Präambel unseres Grundgesetzes. 

Unter diesem Titel hat die Evangelische Allianz in Deutschland im September ein Positionspapier zum Verhältnis von christlichem Glauben, Politik und gesellschaftlicher Verantwortung verabschiedet. Beschlossen wurde es bei der Tagung ihres Konvents, in dem rund 60 Leitungspersönlichkeiten aus unterschiedlichen Kirchen, Gemeinden, Werken, Verbänden und Ortsallianzen zusammenarbeiten. Umso mehr bewegt es mich, dass sich Menschen so unterschiedlicher Prägung auf eine gemeinsame Haltung verständigt haben. Im Zentrum steht der Leitsatz: „Christus ist unser einendes Fundament, das Wort Gottes unser Maßstab, die gottgegebene Würde jedes Menschen unverhandelbar, die Liebe unser Weg und die Hoffnung unser Horizont.“ Für mich und mein Team ging damit ein intensiver Sommer zu Ende, in dem wir das Papier gemeinsam mit dem Arbeitskreis Politik inhaltlich vorbereitet haben.

Unsere Gesellschaft verändert sich tiefgreifend. Doch für Resignation oder gar Zynismus sehe ich keinen Grund. Wir teilen eine lebendige Hoffnung und rechnen mit Gottes Eingreifen und seiner Leitung. Deshalb wollen wir mitgestalten: gesellschaftlich engagiert und parteipolitisch unabhängig, auf Wegen der Versöhnung und des Brückenbaus und im Einsatz für Stimmen, die in unserer Gesellschaft kaum noch Gehör finden.

Die Pressemitteilung und das Positionspapier finden Sie hier.


Eine große Gruppe von Menschen steht auf einer Terrasse mit Blick auf eine grüne Landschaft und Hügel. Einige Personen halten ein Dokument in der Mitte der Gruppe. Es ist sonnig und die Wolken sind teilweise bewölkt. (Text KI generiert)

© JM; Verabschiedung des Positionspapiers

 
 
 
 
 
 
Gespräche in Berlin
Drei Begegnungen, die mich in diesem Monat besonders gefreut haben
 
Mit Knut Abraham, MdB aus Brandenburg und Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, sprach ich bei unserem Besuch über die Unterstützung der Ukraine und die Versöhnung mit Polen. Er hatte zwei Praktikanten dabei, die er ganz selbstverständlich als seine Kollegen bezeichnete. Angesichts der Radikalisierungstendenzen in unserem Land zeigte er sich entschlossen: Wir werden die Plätze und Straßen unseres Landes nicht den Extremisten überlassen.
Sein christlicher Glaube ist ihm eine wichtige Kraftquelle. Er engagiert sich in seiner Kirche und stellt jeden Sonntag eine weitere Kirche aus seinem Wahlkreis vor. Auch unser Gespräch über die deutsch-polnischen Beziehungen hat mich bewegt. Wenn wir als Christen aufgefordert sind, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst, sollten wir dabei zuerst auch an unsere Nachbarn in Polen denken. Unsere gemeinsame Geschichte ist zum Teil schmerzhaft. Umso wichtiger ist es, Ausgleich und Versöhnung zu suchen.

Katrin Göring-Eckardt, MdB und frühere Präses der Synode der EKD, kennt die Evangelische Allianz und unser Allianzhaus in Bad Blankenburg. Wir sprachen über die jüngsten Landtagswahlen und den Stellenwert der Kirche in den neuen Bundesländern.
Beeindruckt hat mich ihre Gelassenheit. Aus ihrer eigenen DDR-Erfahrung heraus mit einer Kirche ohne gesellschaftliche Unterstützung blickt sie zuversichtlich auf die Bedeutung und die Perspektiven der Kirche in Ostdeutschland heute. Sie sieht viele Zeichen dafür, dass Kirche lebt – von Erwachsenentaufen bis hin zu einem Glauben, der in Familien über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Mit Militärgeneraldekan Thorsten Kirschner, dem Leiter des Evangelischen Kirchenamts für die Bundeswehr, tauschte ich mich über die Militärseelsorge und unseren Arbeitskreis Soldaten aus. Es ging um die Frage, was geistliche Begleitung bedeutet, wenn es ernst wird, und wie sie über Konfessionsgrenzen hinweg gelingen kann. Wir sprachen über Evangelisation unter Soldaten und den Stellenwert beispielsweise von Bibeln in Flecktarn. Berührt hat mich, dass manche Soldaten eine Gebetskarte bei sich tragen, um im Ernstfall für einen Kameraden beten zu können. 
Gerade in einer solchen Einrichtung bekommt der Bibelvers  (Röm 14,7) an der Wand einer Seminarraums eine besondere Aktualität: „Keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst.“ Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Entwicklungen in Osteuropa verleihen diesen Worten eine nüchterne, realistische und zugleich sehr persönliche Bedeutung.

Drei Personen stehen vor einer Weltkarte. Zwei Männer in Anzügen, einer mit Krawatte, und eine Frau in einem braunen Anzug. Sie lächeln und posieren für das Foto. (Text KI generiert)

© Knut Abraham, MdB; mit JM und LA

 
Zwei Männer stehen nebeneinander vor einer Wand mit reliefartigen Metallplatten, die verschiedene Szenen darstellen. Beide tragen Anzüge und schauen in die Kamera. (Text KI generiert)

© LA; JM mit Thorsten Kirschner

 
 
 
 
 
Gemeinsam für die Ukraine
Berliner Initiativen im Austausch in unserem EAD Büro
 
Mitte September kamen auf Einladung von Andrea Meyerhoff, Geschäftsführerin von Gemeinsam für Berlin, Leiterinnen und Leiter ganz unterschiedlicher christlicher Organisationen in unserem Büro zusammen. Sie alle engagieren sich seit Beginn der russischen Vollinvasion für die Ukraine.
Die versammelten Initiativen leisten vielfältige Unterstützung: Sie organisieren Evakuierungen, liefern Hilfsgüter oder kümmern sich um die Betreuung von Veteranen. Ziel des Treffens war es, den Austausch zwischen den Beteiligten zu fördern, die verschiedenen Aktivitäten besser aufeinander abzustimmen und so die Unterstützung für die Ukraine noch wirksamer zu gestalten.

Zu Gast war auch eine Gruppe von Ukrainern, die zur dortigen Kirche und Hilfsorganisation „House of Bread“ (Haus des Brotes) gehören. Ihre Erfahrungen, Gedanken und Perspektiven gaben wichtige Impulse und eröffneten neue Blickwinkel auf die aktuelle Situation.
Besonders intensiv sprachen wir über die Lage der Menschen, die seit Monaten in Oleschky nahe Cherson eingeschlossen sind. Die Berichte unserer ukrainischen Gäste machten einmal mehr deutlich, wie dringend die Unterstützung benötigt wird und wie groß die Dankbarkeit dafür ist. Ein junger Mann brachte es mit bewegenden Worten auf den Punkt: „Ohne eure Hilfe hätten wir nicht bis heute durchgehalten.“

Solche Begegnungen zeigen, wie wichtig es ist, einen Ort des Austauschs und der Begegnung zu schaffen, der Menschen und Initiativen miteinander verbindet – wie ein Scharnier, das unterschiedliche Akteure zusammenführt, den Austausch von Erfahrungen ermöglicht und gemeinsames Handeln fördert. Unser EAD Büro in Berlin möchte genau diesen Raum bieten: einen Ort, an dem Beziehungen wachsen, neue Verbindungen entstehen und Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
 

Eine Gruppe von etwa 15 Personen sitzt um einen Tisch in einem hellen Raum. Sie diskutieren und schauen auf Dokumente und Notizen. Im Hintergrund sind Fenster und eine Wand mit einem Kreuz und einem Bild. (Text KI generiert)

© LA; Netzwerktreffen im Berliner Büro

 
 
 
 
 
 
Praktikum im Berliner Büro
 
Im September hat Valerie Sang, die an der Goethe-Universität in Frankfurt Friedens- und Konfliktforschung studiert, mein Team im Berliner Büro als Praktikantin unterstützt. Hier berichtet sie von ihren Eindrücken.

Mein Praktikum im politischen Büro der Evangelischen Allianz in Berlin fiel in eine sehr bewegte Zeit. Die Abgeordneten kamen gerade aus der Sommerpause zurück, es standen drei Landtagswahlen an und auch wir im Büro hatten einiges vorzubereiten. Ich durfte bei der Vorbereitung von Treffen mit verschiedenen Abgeordneten unterstützen, ein Netzwerk-Treffen zur Koordination von Hilfen für die Ukraine begleiten, Briefings schreiben, Einladungen formulieren und noch so einiges mehr. Die gewonnenen Einblicke haben mir gezeigt, dass christliche Stimmen in der deutschen Politik-Bubble parteiübergreifend durchaus Gehör finden und die Art und Weise, wie wir unser Zusammenleben gestalten, positiv beeinflussen können. Das macht (mir) Hoffnung. 

Neben den vielen spannenden Begegnungen in Berlin durfte ich zum Abschluss meines Praktikums noch den EAD-Konvent miterleben. Auch dieses Erlebnis wird mir in hoffnungsvoller Erinnerung bleiben. Insgesamt nehme ich viele wertvolle Gedankenanstöße und Perspektiven mit, die mich sowohl in Hinblick auf mein Studium der Friedens- und Konfliktforschung als auch in meinem persönlichen Glaubensleben noch weit über das Praktikum hinaus begleiten werden.

Eine Person in einem beigen Trenchcoat steht an einem Glasgeländer und lächelt. Im Hintergrund ist das Reichstagsgebäude mit der deutschen Flagge zu sehen. Der Himmel ist teilweise bewölkt. (Text KI generiert)

© LA; Valerie Sang

 
 
 
 
 
 
Vorträge und Veranstaltungen
 
Im September war ich zu einem Podium bei der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) eingeladen, deren Mitgliedskirchen kurz zuvor die revidierte Charta Oecumenica unterzeichnet hatten. Gemeinsam mit Konstantin von Abendroth (Vereinigung Evangelischer Freikirchen), Bischof Emmanuel von Christoupolis (Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland) und Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-Katholische Kirche) sprach ich über die Rolle der kleineren Kirchen und Netzwerke am Sitz der Bundesregierung: wie wir mit überschaubaren Ressourcen Gehör finden, wie wir unsere Anliegen in einer säkularen Gesellschaft verständlich machen und wann wir als Ökumene gemeinsam auftreten sollten.

Auch im September bei einem Inspirationszoom für Ortsallianzen ging es um Brücken in die Kommunalpolitik. Unter dem Leitwort „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer 29,7) berichteten Landrat Dr. Peter Enders (Landkreis Altenkirchen) und Ortsbürgermeister Frank Bettgenhäuser (Neitersen), was die Kommunalpolitik an den Allianzen vor Ort schätzt. In meinem Impuls habe ich dafür geworben, nicht erst bei Empörung präsent zu werden: Beziehungen bauen, solange wir noch nichts voneinander wollen, danken, bevor wir kritisieren, und für Menschen beten, bevor wir über sie urteilen. Ortsallianzen stellen wir die Aufzeichnung gern auf Anfrage unter buero.berlin@ead.de zur Verfügung.

 
 
 
 
 
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Publikationen
 
 
 
 
 
 
 
Beiträge zur Ökumenischen FriedensDekade 2026
 
Die diesjährige Ökumenische FriedensDekade vom 8. bis 18. November steht unter dem Motto „couragiert widerständig“. Für das Materialheft durfte ich zwei Beiträge verfassen: einen Impuls zu Römer 12,21, „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, und eine Fürbitte für die Ukraine im Krieg. Beide Texte sind im Material der FriedensDekade zu finden, das hier bestellt werden kann.
 
 

 
 
 
 
 
Stellungnahme zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei IDEA
 
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat IDEA Reaktionen aus den Kirchen auf das Wahlergebnis zusammengetragen, darunter auch meine Einschätzung.
Das Ergebnis lässt sich nicht einfach als Protestwahl zu den Akten legen. Es zeigt vielmehr einen beispiellosen Vertrauensverlust in die Parteien, die das Land bisher regiert haben. Als Christen sollten wir weder Politiker noch ihre Wähler dämonisieren. Zugleich dürfen wir aber auch nicht alles gutheißen, was aus Protest oder Enttäuschung Zustimmung findet. Keine Partei hat Anspruch auf unsere letzte Loyalität.
Vor allem möchte ich zum Gebet ermutigen: für die Bildung einer neuen Regierung und die künftige Arbeit der Opposition in Sachsen-Anhalt ebenso wie für die politisch Verantwortlichen im Bund.
Den Beitrag mit meiner Einschätzung gibt es hier.
 
 
 
 
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