29.05.2026
Die gesellschaftliche Bedeutung aktiver Familienarbeit
Ehe und Familie als erste und wichtigste Verantwortungsgemeinschaft unserer Gesellschaft sind ein grundlegender Bestandteil des christlichen Menschenbildes. Familie ist im Idealfall der Ort, an dem Kinder soziale Kompetenzen erlernen, Verantwortung für sich und andere entdecken und zu eigenständigen und mündigen Menschen heranwachsen. Damit legt Familie das Fundament für ein tragfähiges gesellschaftliches Miteinander und erfüllt eine unverzichtbare Aufgabe für unser Land.
Dieser Bedeutung trägt auch das Grundgesetz Rechnung. Artikel 6 stellt Ehe und Familie unter den besonderen Schutz des Staates. Dieser Schutzauftrag bedeutet mehr als bloße Zurückhaltung des Staates. Er verpflichtet dazu, Familien aktiv zu stärken, Benachteiligungen abzubauen und gerechte Rahmenbedingungen zu schaffen. Besonders hervorgehoben wird dabei auch der Schutz und die Fürsorge von Müttern.
Familien können ihre Aufgabe jedoch nur erfüllen, wenn sie dafür Zeit, Kraft und Unterstützung erhalten. Aktive Familienarbeit braucht emotionale Präsenz, Verlässlichkeit, Geduld und erhebliche finanzielle Ressourcen. Kinder brauchen nicht nur Versorgung, sondern Beziehung, Aufmerksamkeit und Begleitung.
Die Realität entwickelt sich jedoch zunehmend in eine andere Richtung. Familien gehören zu den Hauptbetroffenen der Krisen der vergangenen Jahre. Viele Eltern haben während der Coronazeit Schulunterricht zuhause getragen und kämpfen heute mit steigenden Lebenshaltungs und Mobilitätskosten. Gleichzeitig wächst der politische und gesellschaftliche Druck, möglichst früh und vollständig in die Erwerbsarbeit zurückzukehren. Zeit für Familie wird immer stärker zu einem finanziellen Risiko.
So liegt die Einkommensgrenze für den Bezug von Elterngeld heute nur noch bei einem Bruchteil dessen, was noch vor wenigen Jahren galt. Gleichzeitig wird über weitere Kürzungen diskutiert, obwohl das Elterngeld seit 2007 nicht angepasst wurde und massiv an Kaufkraft verloren hat.
Auch die geplanten Änderungen bei der Mitversicherung von Ehepartnern senden problematische Signale. Wer Kinder begleitet, Verantwortung übernimmt und bewusst Zeit in Familie investiert, darf dafür nicht schleichend bestraft werden. Denn Familienarbeit endet nicht mit dem siebten Lebensjahr eines Kindes. Ein Schulkind braucht nicht weniger Elternpräsenz, sondern eine andere.
Viele einzelne Maßnahmen mögen jeweils begründbar erscheinen. In ihrer Summe entsteht jedoch ein gefährliches Signal: Aktive Familienarbeit wird gesellschaftlich erwartet, aber wirtschaftlich zunehmend erschwert. Wer Zeit in Ehe, Kinder und Familie investiert, trägt einen immer höheren Preis. Eine Gesellschaft, die so mit Familien umgeht, gefährdet langfristig ihre eigene Zukunft.
Es ist aus unserer Sicht das Gebot der Stunde, dass Politik und Gesellschaft Rahmenbedingungen schaffen, in denen Kinder und ihre Eltern bewusst gefördert statt ausgebremst werden. Insbesondere Haushaltsentscheidungen dürfen Familien nicht zusätzlich belasten, sondern müssen sie auch in finanziell schwierigen Zeiten schützen und stärken.